Ritchie Blackmore

The Original Man In Black



RITCHIE BLACKMORE hat in seiner beeindruckenden Musikerlaufbahn nur eine Handvoll Interviews gegeben - und ist deshalb oft mißverstanden, ins falsche Licht gerückt oder schlicht übergangen worden. So jedenfalls sieht es „Mr. Stratocaster" himself.

Wenn man nach dem beliebtesten Gitarristen der Rock-Szene fragt, bekommt man tausend verschiedene Antworten. Fragt man jedoch nach dem wichtigsten und stilprägendsten, fällt der Name RITCHIE BLACKMORE mit Sicherheit sofort. Neben Jimi Hendrix, Jimmy Page und Michael Schenker gehört der ehemalige Deep Purple- und Rainbow-Kopf zu den größten Innovatoren der Rockgeschichte. Tausendfach wurde sein Highway Star "-Solo kopiert, die legendären vier Akkorde von "Smoke On The Water" standen Pate für DAS Hardrock-Riff schlechthin, und seine launische, geheimnisvolle Art war die Blaupause für das Rockstar-Image. Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, daß es Hardrock und Heavy Metalin ihrer klassischen Form ohne RITCHIE BLACKMORE nicht geben würde.

* Ritchie, man weiß ja, daß du höchst ungerne und deshalb nur alle Jubeljahre Interviews gibst...

Das ist eine Zeitfrage. Auf Tour habe ich kaum Zeit für Interviews und sage die meisten des halb ab. Es ist mir einfach wichtiger, vernünftig auf ein Konzert vorbereitet zu sein, als Interviews zu geben. Heute habe ich allerdings Zeit...

* Du hast gerade das zweite Blackmore's Night-Album „Under A Violet Moon" (s. Rezension im Kasten) eingespielt. Du klingst darauf viel lockerer und glücklicher als auf den alten Deep Purple- und Rainbow-Scheiben.

Das stimmt. Obwohl ich schon sehr früh Rock'n'Roll gespielt habe - und gelegentlich immer noch spiele -, brauchte ich einfach neue Herausforderungen. Was ich mit Blackmore's Night mache, ist genau die Musik, die ich seit jeher privat gehört habe - schon vor 25, 30 Jahren. Wenn ich zu Hause Gitarre spiele, dann sind es fast immer mittelalterliche Klänge, und ich fand es nur konsequent, das Ganze mal aufzunehmen. Daß ich dabei so locker klinge, wie du feststellst, liegt an der Tatsache, daß Blackmore's Night nie das Monster werden wird, das Deep Purple und Rainbow für mich waren. Gerade das Ende meiner Arbeit mit Deep Purple war der blanke Horror: Ich habe die Musik gehaßt, weil sie einfach nicht mehr ehrlich war.

* Sprichst du für dich oder für die gesamte Band?

Ich kann nur über mich selbst sprechen - aber ich hatte schon den Eindruck, daß die anderen genauso dachten. Es schien mir, als ob die Band künstlich am Leben gehalten wurde - wegen der Sicherheit, die sie uns allen bot. Wir verdienten gutes Geld, wurden in Limousinen durch die Gegend kutschiert und hatten offensichtlich den Weg des geringsten Widerstandes gewählt. Das Management war natürlich happy, weil es Prozente ohne große Arbeit kassierte. Mich hat das alles am Ende nur noch angewidert - es war für jeden offensichtlich, was da gespielt wurde. Ich mußte irgendwas anderes machen, andere Musik spielen, zu Hause rumsitzen - egal, was. Hauptsache, es war ehrlich und ohne Zwang.

* Du hast den typischen Rock'n'Roll-Zirkus auch nach der Veröffentlichung des ersten Blackmore's Night-Albums konsequent gemieden und bist mit der Band in Schlössern, Kirchen und Theatern aufgetreten. Um so erstaunlicher ist die Tatsache, daß die Scheibe auch ohne den üblichen Promotion Rummel äußerst erfolgreich war.

Richtig, das Album war um einiges erfolgreicher als der letzte Rainbow-Longplayer. Ich denke, daß man unschwer hören kann, wie sehr ich die Aufnahmen genossen habe. Beide Platten sind zum größten Teil bei mir zu Hause aufgenommen worden, was sich stark auf die Atmosphäre ausgewirkt hat. Man hört einfach, ob sich ein Musiker bei der Aufnahme wohlfühlt oder nicht.

* Sicher ist dabei die Tatsache nicht ganz unwichtig, daß deine Lebensgefährtin Candice Night auf beiden Platten singt.

Richtig. Das bezieht sich aber nicht nur auf die Aufnahmen, sondern den gesamten Entstehungsprozeß der Songs. Alles passiert auf natürlichste Art und Weise: Ich sitze zu Hause, spiele Gitarre, und Candice kommt dazu und singt. Man merkt sofort, ob etwas paßt oder nicht, und arbeitet viel effektiver. Mit einer Band wie Deep Purple dagegen muß man sich im Proberaum treffen, eine Zeitlang jammen und hoffen, daß irgendwas dabei herauskommt. Das hat früher Spaß gemacht, auch wenn ich immer schon der Ansicht war, daß speziell die Gesangsmelodien oft sehr unnatürlich geklungen haben, weil sie ganz offensichtlich konstruiert waren.

* Macht es dir keine Probleme, von E-Gitarre auf Akustikgitarre und umgekehrt zu wechseln?

Da gibt es ein paar Tricks, die man sich aneignen muß. Die Akustikgitarre zupfe ich mit den Fingern, die E-Gitarre spiele ich mit einem Plektrum, was natürlich einen Riesenunterschied macht. Da habe ich in der Tat manchmal Probleme: Ich bewundere beispielsweise Flamenco Spieler, die mit allen fünf Fingern der rechten Hand spielen. Ich benutze dagegen nur drei Finger und kann deshalb bestimmte Sachen nicht spielen, was mich ärgert. Flamenco-Spieler kommen dafür schlecht mit E-Gitarren zurecht.

* Dann heißt die nächste Herausforderung für dich also Flamenco...?

Schon möglich. Wenn ich Akustikgitarre spiele, dann möchte ich sie auf natürliche Weise spielen - nicht mit einem Plektrum. Das gilt auch für Live-Konzerte, wo ich ja sowohl Akustik- als auch E-Gitarre spiele. Wenn ich mit Blackmore's Night auftrete, bin ich immer noch sehr nervös, weil wir so leise spielen, daß man jede falsche Note heraushören kann. Es ist eine Umstellung, wenn man von der lautesten Band der Welt - Deep Purple - zur leisesten wechselt. Ich bin es gewohnt, vor einer Wand voller Marshall-Verstärkerzu stehen, und fühle mich auf einmal völlig nackt. Das erfordert eine Menge Disziplin auf der Bühne. Akustikgitarren haben ein ganz anderes Feedback als E-Gitarren, manche Töne klingen anders nach - es ist, als ob man ein neues Instrument lernt. Auf einmal habe ich die gleichen Probleme, die ich schon als 15 jähriger hatte, aber durch die E-Gitarre verdrängen konnte.

* Vermißt du die E-Gitarre nicht manchmal? Auf "Under A Violet Moon" taucht sie ja kaum noch auf.

Doch, manchmal schon. Deshalb spielen wir live als Zugabe immer ein längeres Rock'n'Roll-Medley, wo ich mich auf der E-Gitarre austoben kann. Normalerweise spielen wir einen zweistündigen Akustik-Set und im Anschluß daran 25 Minuten Rock'n 'Roll.

* Fällt es dir schwer, dich bei Blackmore's Night in ein Bandgefüge zu integrieren? Bei Deep Purple oder Rainbow hast du als typischer "Guitarhero" ja wesentlich stärker im Rampenlicht gestanden.

Ich mag es eigentlich überhaupt nicht, der Solo-Gitarrist im Rampenlicht zu sein; damit hatte ich bei Deep Purple und Rainbow immer schon Probleme. Wenn es nach mir ginge, würde ich mich backstage auf einen Stuhl setzen und von da spielen.

Da ich aber notgedrungen auf der Bühne stehen muß, bleiben mir nur zwei Möglichkeiten: Entweder verstecke ich mich hinter den anderen Musikern oder den Verstärkern - oder ich benehme mich sehr extrovertiert. Eine Balance zwischen diesen beiden Extremen zu finden, ist mir kaum möglich. Früher habe ich mich an der Seite der Bühne versteckt, wo mich niemand sehen konnte, und bekam dafür Ärger. Also habe ich mir angewöhnt, mich extrovertierter zu benehmen und über die Bühne zu rennen. Allerdings fühlte ich mich dann so, als ob ich in einen fremden Körper geschlüpft wäre.

* Und dieser fremde Körper zerschlägt Gitarren auf der Bühne...

Solange es E-Gitarren sind, komme ich damit noch zurecht. Sollte ich allerdings anfangen, Akustikgitarren zu zerschlagen oder auf der Bühne zu verbrennen, wird's problematisch...

* Wird die nächste Blackmore's Night-Tour wieder in Schlössern und Kirchen stattfinden?

Wir werden uns diesmal weitestgehend auf Schlösser und Burgen beschränken. Wenn man in Burghöfen auftritt, hat man zwar das Problem, daß man extrem wetterabhängig ist und das Publikum begrenzen muß, aber dafür stimmt die Atmosphäre. Ich habe mir oft selbst solche Schloßkonzerte angesehen und immer davon geträumt, selbst mal an solchen Orten auftreten zu können. Mit Blackmore's Night kann ich diesen Traum verwirklichen. Große Hallen oder Stadien interessieren mich nicht mehr - davon hatte ich genug in meinem Leben.

* Apropos Schlösser: Stimmt es, daß du auch auf früheren Deutschland-Tourneen grundsätzlich in Schlössern übernachtet hast?

Wenn möglich, ja. Manchmal waren die Schlösser allerdings zu weit von den Hallen entfernt, so daß ich mir ein Hotel nehmen mußte.

* Des weiteren heißt es, daß du auf Tour grundsätzlich nur Fahrer akzeptierst, die sich mit Fußball auskennen.

Stimmt. Ich möchte mich unterhalten können, wenn ich unterwegs bin. Ich habe in letzterZeit allerdings selten aktiv Fußball gespielt, wenn ich auf Tour war - wahrscheinlich weil ich jetzt viel mehr Spaß an der Musik habe. Früher mit Deep Purple habe ich jede Gelegenheitgenutzt, um mich aus der Halte zu schleichen, und ständig Fußball gespielt. So konnte ich den nervenden Soundchecks entkommen. Am schlimmsten waren die Drum-Soundchecks - schlimmer als die übelste Zahnarzt-Sitzung! Mir ist bis heute schleierhaft, warum man eine Bassdrum zwei Stunden lang soundchecken muß...

* Wenn ich dich frage, was dir am 20. Jahrhundert am besten gefällt, sagst du wahrscheinlich "Fußball"...

Das Beste am 20. Jahrhundert ist die Möglichkeit, sich jederzeit in ein Flugzeug setzen zu können, um in einem deutschen Schloß vom 15. Jahrhundert zu träumen, haha!

* Was fasziniert dich so sehr am Mittelalter?

Der Sinn für das Simple, Unkomplizierte, die klaren Werte und die Freiheit. Wenn man sich nostalgisch verklärt an die Vergangenheit erinnert, denkt man sowieso nur an das Gute. Natürlich gab es viele Probleme im Mittelalter, aber an die erinnere ich mich nicht.

* Du sprichst von "Erinnerung". Glaubst du an Reinkarnation?

Ja. Allerdings ist die lineare Vorstellung von Zeit im Zusammenhang mit Reinkarnationen etwas, das ich weniger nachvollziehen kann. Ich glaube, daß es sehr wohl möglich ist, sich andere Inkarnationen ins Gedächtnis zu rufen, aber möglicherweise spielen sich all diese Existenzen gleichzeitig ab. Ich glaube, daß wir verschiedene Inkarnationen parallel erleben. Ich beschäftige mich seit langem mit spirituellen Dingen und beteilige rnich an Seancen, um mit sogenannten Geistwesen zu kommunizieren. Das fasziniert mich - vor allem dann, wenn ich mit intellektuell stimulierenden Wesen in Kontakt trete. Dazu muß man auf eine höhere spirituelle Ebene gelangen, was viel Konzentration und Übung erfordert. Hat man diese Übung nicht, verschwendet man seine Zeit auf niedrigeren Ebenen mit Geistwesen, die ich fast schon als kriminell bezeichnen würde.

* Hältst du diese Seancen regelmäßig ab?

Ja, meist zusammen mit Candice. Es kommt auf die richtige Atmosphäre und die richtigen Teilnehmer bei einer Seance an. Sonst erreicht man nichts - obwohl wir ständig von Geistwesen umgeben sind, die gerne mit uns in Kontakt treten würden. Meist tun sie es jedoch nicht, weil sie wissen, daß wir sonst verunsichert wären. Aber sie sind da, und es kann sehr interessant sein, mit ihnen zu kommunizieren.

* Spielt so etwas eine Rolle in deiner Musik?

Vielleicht unbewußt. Auf jeden Fall spielt das eine Rolle in Candice' Texten. Als wir beispielsweise "Catherine Howard's Fate" geschrieben haben, passierte etwas Seltsames: Candice und ich waren in der Küche und haben den Song gespielt, als sich ein dichter Nebel direkt vor uns manifestrierte. Wir haben ihn beide etwa eine Minute lang gesehen und glauben, daß er durch die Kraft der Musik und vor allem durch Candice' Gesang angezogen wurde. Sehr seltsam. Solche Dinge können passieren, wenn die Musik eine ganz bestimmte Atmosphäre transportiert.

* Du sagst, solche Erlebnisse spiegeln sich vor allem in den Texten wider. Erst recht müßten sie aber doch die Musik beeinflussen, oder?

Ich versuche, das nicht zu genau zu analysieren. Ich bin sehr spirituell ausgerichtet und halte es schon für möglich, daß ich beim Komponieren entsprechend inspiriert werde. Wenn ich spiele, mache ich mir über solche Dinge allerdings keine Gedanken, obwohl ich glaube, daß beim Komponieren gewisse Energien kanalisiert werden.

* Auf dem neuen Blackmore's Night-Album schlagt ihr selbst den Bogen zu Rainbow, indem ihr 'Self Portrait' (von "Ritchie Blackmore's Rainbow", '75) neu aufgenommen habt. Wessen Idee war das?

Ein paar Fans schlugen uns vor, das Stück neu zu bearbeiten. Es war mir schon immer sehr wichtig, was die Fans sagen; also haben wir den Rat befolgt. Es ist eine Art Bonustrack, paßt aber perfekt zum Rest des Albums. Wenn wir live auftreten, spielen wir jedesmal zwei, drei Rainbow-Songs, z.B. 'Sixteenth Century Greensleeves', 'Temple Of The King' oder beim nächsten Mal vielleicht 'Street Of Dreams'. Die alten Rainbow-Nummern waren zum größten Teil sehr melodiös und passen daher gut zu Blackmore 's Night.

* Kannst du dir ein weiteres Rainbow-Album vorstellen?

Ich denke nicht oft an Rainbow, weil ich mit meiner momentanen Situation absolut glücklich bin. Es ist komisch: 500 Jahre in der Zeit zurückzugehen, macht mir nichts aus, zehn Jahre dagegen sehr wohl... Als ich in den Achtzigern bei Deep Purple spielte, hat man mich oft gefragt, ob ich eines Tages Rainbow reformieren würde - und als ich bei Rainbow spielte, haben alle nach Deep Purple gefragt. Ich glaube, die Leute brauchen einfach etwas, über das sie reden können - das Thema selbst ist zweitrangig. Tatsache ist: Mit Blackmore's Night verkaufe ich deutlich mehr Platten als mit Rainbow in den Neunzigern also muß man sich fragen, wo die Vorlieben des Publikums liegen. Aber ich will ein weiteres Rainbow-Album nicht ausschließen, auch wenn ich es mir momentan nicht so recht vorstellen kann. Sollte es eines Tages doch dazu kommen, würde die Scheibe wohl sehr blüesy klingen und nicht mehr allzuviel mit den alten Sachen zu tun haben.

* Könnte der Sänger Ronnie James Dio heißen?

Wir halten Kontakt zueinander und schließen diese Möglichkeit nicht aus - aber wir sind beide rundum zufrieden mit unserer jetzigen Situation. Ronnie hat ja gerade sein Soloprojekt neu formiert und will noch mal richtig durchstarten - und bei mir läuft's ebenfalls bestens. Deshalb glaube ich nicht, daß es in absehbarer Zukunft zu einem gemeinsamen Projekt kommen wird.

* Hast du eigentlich noch Kontakt zu Graham Bonnet?

Ja. Witzigerweise habe ich kürzlich dafür gesorgt, daß er Rainbow-Tantiemen ausgezahlt bekommt, nachdem mir zu Ohren gekommen war, daß er pleite sei. Candice prüfte nach, ob Graham korrekt ausgezahlt worden ist, und stellte fest, daß er einen Teil seiner Royalties nie bekommen hatte. Wir sind mit unserem damaligen Manager vor Gericht gezogen, und Graham hat das Geld, das ihm zusteht, inzwischen auch bekommen - aber bezahlen mußte ich es letztlich aus meiner eigenen Tasche, weil ich derjenige war, der die Angelegenheit losgetreten hatte. Unser Management holte sich Grahams Anteil von meinem Konto zurück - und jetzt muß ich sehen, wie ich an mein Geld komme. Mal sehen, ob Graham mir dabei hilft...

* Ich erinnere mich an eine Release-Party anläßlich des Deep Purple-Livealbums "Nobody's Perfect", die 1988 irgendwo auf einem Schloß in Hessen stattfand. Die Gäste mußten sich mittelalterliche Kostüme anziehen, es gab Wein und Met zu trinken, und es wurde Musik aus der Renaissance gespielt. Alle Deep Purple-Musiker waren anwesend - bis auf Jon Lord, der die Party angeblich boykottierte, weil er sich kurz zuvor mit dir gestritten haben soll...

Richtig, jetzt fällt mir die Geschichte wieder ein: Jon wollte sich partout nicht verkleiden, weil er das albern fand. Es war aber nun mal eine Kostüm-Party; also blieb er zu Hause.

* Und ich erinnere mich daran, daß Ian Gillan im Verlauf der Party ständig die Hosen runterließ.

Bist du sicher, daß es Ian war?

* Ja, hundertprozentig. Er konnte kaum noch stehen und hat dir ständig seinen blanken Hintern präsentiert, was dich nicht sonderlich amüsiert hat...

Tja, so war Ian halt. Das ist einer der Gründe, warum ich ihn nicht mochte. Ian benahm sich immer und überall wie ein Affe, um die Leute in seiner Umgebung zu schocken. Das wurde mit der Zeit todlangweilig und brachte niemanden mehr zum Lachen.

* Hast du einen Wunsch fürs nächste Jahr tausend?

Ich wünsche mir, daß ich noch lange so weitermachen kann wie bisher. Ich habe keine großartigen Erwartungen, sondern genieße einfach mein Leben. (Mit ironischem Unterton:) Ich hoffe nicht, daß Nostradamus recht behält und die Welt vor ihrem Ende steht. Andererseits ist sich die Nostradamus-Forschung ja sowieso uneinig, wie die Prophezeiungen zu deuten sind. Das Datum für den Weltuntergang ändert sich ja ständig.

* Bedeutet dir der Jahrtausendwechsel in spirituelter Hinsicht etwas?

Nein. Mein Leben verläuft nicht nach Zahlen und Daten. Ich lebe jetzt, genieße mein Leben und warte einfach ab, was auf mich zukommt.

* Hast du ein Karriereziel vor Augen?

Nein. Als Musiker irrst du blind umher, ohne Ziel oder Bestimmung. Wer das Gegenteil behauptet und sagt, er wisse genau, wohin ihn sein Wegführt, dem begegne ich mit Mißtrauen. Denn so reden nur Geschäftsleute.

* Kannst du etwas mit Blackmore-Jüngern wie Yngwie Matmsteen oder Axel Rudi Pell anfangen?

Ich kenne sie, beschäftige mich aber nicht intensiver mit ihnen - was nicht heißen soll, daß ich ihre Spielweise nicht mag. Aber ich bin ein Typ, der sich nicht sonderlich für Gitarristen interessiert, auch wenn das komisch klingt. Wenn ich irgendwo im Radio oder Fernsehen einen Gitarristen höre, bin ich entweder frustriert, weil er so gut ist, oder gelangweilt, weil er so schlecht ist...

* Müssen Genies schwierig sein?

Ich würde mich nie als Genie bezeichnen. Vielleicht bin ich ein bißchen verrückt, weil ich einfach nicht normal sein will. Aber was heißt schon "normal"?

* Auf welche deiner Songs bist du besonders stolz?

Auf "Burn', 'Gates Of Babylon' - oder einige Nummern von „Machine Head". Auch "Rainbow Rising", "Slaves And Masters" und "Perfect Strangers" waren gute Alben. Aber am meisten bedeutet mir Blackmore's Night, weil es die für mich bislang größte Herausforderung darstellt. Alle Tricks, die ich mir als Rockgitarrist angeeignet habe, sind bei Blackmore's Night wertlos.

* Du hast Fortschritte in puncto deutschsprachige Titel gemacht. 'Durch den Wald zum Bach Haus' (vom neuen Blackmore's Night-Album) klingt schon wesentlich besser als 'Vielleicht das nachster Zeit' oder 'Weissheim' aus Rainbow-Tagen...

Die Scorpions haben mich immer gehänselt und mir erklärt, daß es eigentlich 'Weißes Heim - und 'Vielleicht das nächste Mal'-heißen muß. Mal sehen, ob sie aufgepaßt haben und mir erklären, daß man 'Bach Haus' in einem Wort schreibt...

* Letzte Frage: Warum kommen so viele Leute nicht mit dir klar?

Vielleicht weil ich ein Gehirn und eine Meinung besitze und nicht gerne wie ein Schaf in einer Herde behandelt werde. Wer mein Gitarrenspiel will, muß auch meine Meinung in Kauf nehmen, aber die meisten Leute suchen sich lieber Musiker, die die Klappe halten und nichts hinterfragen. Bette Davis hat mal gesagt: "Du bist ein Niemand, wenn du nicht schwierig bist." Alle, die ich bewundere, werden in Interviews gefragt, warum sie so schwierig seien - angefangen bei Ion Anderson bis hin zu Paul McCartney. Dazu kommt in meinem Falle, daß ich nie Zeitfür Interviews hatte und deshalb nie meine Version gewisser Geschichten erzählt habe. Also war ich ein leichtes Ziel - zumal ich schon äußerlich launisch und notorisch unzufrieden wirke. Irgendwann hat mir dieses Image sogar gefallen. Deshalb habe ich nie versucht, es zu ändern...

Blackmore's Night Live:

09.07. Solingen, Burg Solingen
10.07. Luxemburg, Innenhof des Schlosses Ansemburg
11.07. Osnabrück, Bischofsresidenz
14.07. Waldeck (Hessen), Burg Waldeck
16.07. bei Holzminden, Burgruine Polle
18.07. Meißen, Albrechtsburg

Götz Kühnemund, Rock Hard 07/1999